Work and Travel in Kanada Erfahrungsbericht: Tolle fünf Wochen bei Peter und Susan

Von Christine

 

Da ich immer viel gefragt werde, wie das bei mir mit dem WWOFEN so war, will ich in einem kleinen Bericht mal von meiner Zeit auf einer kanadischen Farm erzählen, um auch anderen ein Bild davon zu vermitteln. Ich hatte mich für 7 Monate Work and Travel in Kanada entschieden und wusste vor meinem Abflug noch gar nichts vom WWOFEN. Ich wollte einfach in Bars jobben oder in Hotels oder Tourismusbüros und so Geld verdienen, um circa drei von sieben Monaten einfach nur reisen zu können.

Work and Travel Toronto

Ich wollte lieber mal was ganz anderes ausprobieren

Zunächst klappte es auch sehr gut, ich hatte schon nach wenigen Tagen in Toronto einen Job in einer Bar gefunden, merkte aber mit der Zeit, dass es mir zu sehr „wie zuhause“ war. In Deutschland fand ich die Vorstellung noch nett in einem anderen Land zu kellnern, als ich dann aber in Kanada war und dort anfing mein Leben zu organisieren, hatte ich plötzlich den Drang nach Abwechslung. Kellnerjobs gibt es schließlich auch in Deutschland noch genug und in meinem Studium nach meiner Zeit in Kanada wollte ich mir eh in einem Berliner Café einen Job suchen.

Von Ben aus Australien, den ich im Hostel kennenlernte, erfuhr ich vom WWOFEN und hatte sofort Blut geleckt. Dass man auf Farmen arbeiten konnte wusste ich, aber das auf speziell ökologisch ausgerichteten Farmen zu tun, war für mich besonders reizvoll. Ich liebe Tiere und könnte mir vorstellen später selber einmal auf einem Bauernhof zu leben, weshalb ich diese Erfahrung unbedingt ausprobieren wollte. Auch die Möglichkeit Geld zu sparen, da Unterkunft und Verpflegung ja komplett übernommen würden, gefiel mir.

3 Tage im Bus – Juhu

Ben zeigte mir, wie ich mich im WWOF-Netzwerk registrieren konnte und zeigte mir, wo ich die ganzen Farmen im Internet finden würde, bei denen ich mich bewerben konnte. Parallel zu meinem Kellnerjob fing ich also an die verschiedenen Höfe abzutelefonieren und hatte auch relativ schnell Erfolg. Ich erhielt die Zusage für einen Job als WWOFER auf einer Farm in der Nähe von Nelson, was nordöstlich des Okanagan Tals in der Nähe des Gladstone Provincial Parks liegt. Da ich eh den Westen Kanadas bereisen wollte und mir vornahm von dort dann auch nach Vancouver, Banff und Jasper zu reisen sagte ich zu und wir vereinbarten meine Ankunft für in zwei Wochen.

Nun musste ich mir also überlegen, wie ich von Toronto nach Nelson komme und entschied mich für den Greyhound Bus. Drei Tage sollte die Fahrt dauern, wovor es mir graute. Die Route ging über Winnipeg und Calgary wo auch jeweils ein paar Stunden Aufenthalt zum Beine vertreten, essen, frisch machen etc. eingeplant waren. Ich dachte mir: Augen zu und durch und buchte für C$ 160 mein Ticket. Zwar ist der Preis jetzt nicht unglaublich günstig, dadurch, dass ich für diese Tage aber auch keine Hostelübernachtungen zahlen musste, fand ich es ok.

Die Fahrt war eine Mischung aus endlos und erträglich und am Ende war ich heilfroh, in Nelson anzukommen. Ich hatte mit dem Farmer Peter am Telefon vereinbart, dass er mich am Greyhound Bus Stop abholt und da stand er dann auch tatsächlich, mit einem kleinen Schild in der Hand, auf dem mein Name stand. Wäre nicht nötig gewesen, da ich die einzige war, die in Nelson ausgestiegen ist, trotzdem fand ich es super nett und wir haben uns auch direkt auf Anhieb gut verstanden.

Mein Zuhause bei Peter und Susan

Peter lebt zusammen mit seiner Frau Susan auf der Farm, beide sind Mitte 40 und waren einfach mega nett! Die Farm liegt etwa 3 Meilen südlich von Nelson in Richtung der amerikanischen Grenze und hat mich vom ersten Blick an begeistert. Eingebettet in die Landschaft gab es ein großes Haus, indem die beiden mit ihren zwei Kindern (12 und 14) wohnen und drumherum dann auf dem Gelände verteilt ein paar Ställe, Gehege und eine Koppel für Pferde.

Auf der Farm war noch eine andere WWOFERIN, was ich zunächst nicht wusste, sich dann aber als perfekt herausstellte. Mit Hannah aus Wien verstand ich mich auf Anhieb, was auch gut war, da wir uns das Zimmer teilen sollten. Nach den Wochen im Hostelschlafsaal (und den Nächten im Bus) war ein Zweibettzimmer mit einem eigenen Bad für mich der pure Luxus und ich freute mich riesig, mich für diese Erfahrung entschieden zu haben und dann auch noch so ein Glück zu haben.

Ich liebte die Arbeit und den Alltag auf der Farm

Ich hatte mit Peter am Telefon bereits grob einen Aufenthalt von drei Wochen ausgemacht und die Aufgaben besprochen. Mein Tag sollte so aussehen, dass ich morgens die Hühner füttere, die Eier einsammele und dann seiner Frau bei allen anfallenden Arbeiten zur Hand gehe. Sechs Stunden

Arbeitszeit pro Tag waren eingeplant, es wurden aber meistens mehr (was ich aber nicht schlimm fand). Mein Tag begann früh, um 6:30 Uhr morgens und nach dem Versorgen der Hühner, was mich immer circa eine Stunde kostete, half ich Susan das Frühstück für die Kinder vorzubereiten, die dann mit dem Schulbus abgeholt wurden.

Peter und Susan hatten eine eigene kleine Käseproduktion von der Milch ihrer Kühe, sodass mich Susan in die Geheimnisse des Käsemachens einweihte. Ich hatte riesigen Spaß daran mit ihr die Käsemasse anzusetzen und die Leiber zu gießen, sodass ich gar nicht merkte wie die Zeit verging.

Zudem haben wir noch viel Marmelade gekocht, die sie ebenfalls in einem kleinen Laden in Nelson verkauft hat.

Ein bisschen Freizeit hatten wir auch

Nelson ist als Hippie- und Künstlerort bekannt und dort gibt es viele ökologische Bäckereien, Supermärkte und Cafés, die teilweise von den Farmern in der Umgebung beliefert werden. Zwei Mal die Woche fuhr ich mit Susan nach Nelson, um ihre Waren auszuliefern und auch Hannah fuhr meistens mit. Sie kümmerte sich auf der Farm um die Pferde und hatte etwas andere Arbeitszeiten als ich, weshalb wir uns meistens immer erst abends sahen.

Unsere Ausflüge nach Nelson genossen wir jedoch beide, da wir, während Susan mit ihren Abnehmern Gespräche geführt hat, immer ein bisschen Zeit hatten, den lebendigen Ort auf uns wirken zu lassen. Auf der Hauptstraße gab es immer viele Straßenmusiker und obwohl der Ort nicht groß ist, haben wir ihn als sehr quirlig wahrgenommen.

An zwei freien Tagen fuhren Hannah und ich mal in den West Arm Provincial Park, an den Nelson direkt angrenzt. Dort konnten wir eine kleine Kajak-Tour machen und ein bisschen wandern gehen, was riesigen Spaß gemacht hat. Die anderen (wenigen) freien Tage haben wir auf der Farm verbracht und uns dort entspannt, Bücher gelesen und die Ruhe genossen.

Eine tolle WWOFING-Erfahrung

Die drei Wochen bei Peter und Susan vergingen wie im Flug und da ich gerne noch bleiben wollte, hab ich die beiden gefragt, ob es möglich ist, dass ich noch etwas verlängere. 2 Wochen später sollte ein anderer WWOFER kommen, aber bis dahin könne ich noch bleiben, sagten sie. Hannah hatte eh einen längeren Zeitraum mit den beiden vereinbart, sodass wir noch zwei gemeinsame Wochen genießen konnten.

Ich liebte die Arbeit auf der Farm und das Leben auf der Farm, Peter und Susan waren super und die beiden Kinder auch, sodass ich wirklich sagen muss, dass es für mich eine durchaus positive Erfahrung war. Andere WWOFER, die ich auf meiner späteren Reise durch den Westen Kanadas noch getroffen habe, haben mir teilweise schlimme Sachen erzählt, von unmöglichen Unterkünften in Zelten mit Plumpsklos, von desinteressierten Farmern und schlecht behandelten Tieren.

Ich bin froh von diesen negativen Erfahrungen verschont geblieben zu sein und kann wirklich nichts Schlechtes über meine Erlebnisse sagen. Zwar habe ich in der Zeit kein Geld verdient und doch immer mal wieder kleinere Ausgaben bei unseren Ausflügen gehabt, Peter und Susan waren aber wie eine Familie für mich in diesen Wochen und das Leben bei ihnen auf der Farm war einfach nur toll.

Tolles Erlebnis, tolle Erfahrung

Da ich für meine geplante Reise noch etwas verdienen musste, bin ich nach fünf Wochen schweren Herzens weitergezogen und bin nach Vancouver gefahren, um mir dort einen Job zu suchen. Wieder in einer großen und lauten Stadt zu sein, war zunächst ungewohnt, aber wiederum eine nette Abwechslung. Ich fand einen Job in einem Supermarkt und habe dann noch für ein paar Wochen Regale eingeräumt, bis ich genug zusammenhatte um nach Whistler, Banff, Jasper und dann sogar noch hoch nach Yukon fahren zu können.

Die Zeit bei Peter und Susan wird mir immer positiv in Erinnerung bleiben und mit Hannah, die von Nelson aus in die entgegengesetzte Richtung (Toronto, Montreal, Quebec etc.) weitergereist ist, habe ich immer noch Kontakt. Ich werde sie bald mal in Wien besuchen und dann schicken wir Peter und Susan eine Postkarte.

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