Erfahrungsbericht: Vier Monate in Kanada

Von Sebastian

Warum Work and Travel und warum Kanada? Diese Frage haben mir vor meinem Abflug viele meiner Freunde gestellt und ich konnte immer nur antworten, dass es schon immer mein Traum war. Schon während der Schulzeit habe ich ein halbes Jahr in Kanada verbracht und bin dort auf die Highschool gegangen, nun wollte ich das ganze aber auch nochmal als „Erwachsener“ erleben und habe mir mit meinen 29 Jahren ein Visum beantragt und einen Flug gebucht. 4 Monate bin ich in Kanada geblieben und um es schon mal vorwegzunehmen: Ich hatte die Zeit meines Lebens.

In Vancouver angekommen hatte ich zwar zunächst einige Probleme einen Job zu finden, landete dann aber durch Zufall und andere Backpacker, die mir den Tipp gaben, in einer Travel Agency und organisierte dann mit meinen internationalen Kollegen und ein paar Einheimischen Mitarbeitern Stadtrundfahrten durch Vancouver. Ich lernte die Stadt dadurch super gut kennen, traf täglich neue Leute und fühlte mich pudelwohl.

In Kanada ist es üblich, dass Unternehmen dafür sorgen, dass ein sehr gutes Arbeitsklima herrscht. Bei uns gab es einmal im Monat eine Mitarbeiterparty für alle, was auch wirklich dafür sorgte, dass wir uns auch privat super verstanden. Ich lebte die gesamte Zeit in einem Hostel, was ich mir zunächst nicht vorstellen konnte, aber letztlich absolut okay war. Zwar haben die Leute immer wieder gewechselt und ständig mit anderen das Zimmer zu teilen war nicht immer so toll, für zwei Monate war es aber in Ordnung und ich war so viel arbeiten, dass es absolut okay war.

Ich wollte REISEN!

Ich hatte vor meiner Reise schon ordentlich gespart, da ich meine Zeit in Kanada nicht nur mit Arbeiten verbringen wollte. Nachdem ich mir durch meine Arbeit in der Travel Agency in zwei Monaten noch etwas dazuverdient habe, wovon ich umgerechnet 1.000 Euro zurücklegen konnte, ging es für mich auf das große Abenteuer West-Kanada.

Schnell war mir klar, dass ich auf jeden Fall auch in die abgelegenen Regionen wollte und mich nicht nur in den Touristenzentren aufhalten. Wie es der Zufall so wollte hatte sich kurz vor meiner Abreise ergeben, dass ein Kumpel aus Deutschland Zeit hatte und Lust mich auf meiner Reise zu begleiten.

Nachdem ich zwei Monate ohne Freunde aus der Heimat in Vancouver gewesen war, freute ich mich riesig auf die Ankunft von Philipp, den ich sogar am Flughafen abholte.

Wie auch vorher schon besprochen entschieden wir uns dazu, uns einen Campervan für die zweimonatige Reise zu kaufen, den wir anschließend wieder verkaufen wollten. Nachdem wir das passende Objekt durch Zeitungsanzeigen gefunden, gekauft und den ganzen Papierkram mit der Versicherung abgewickelt hatten konnte es losgehen.

Nationalparks, Camping und Touristenströme

Wir hatten uns entschieden zunächst die bekannten Nationalparks Banff und Jasper anzuschauen und dann weiter Richtung Norden zu fahren, um in Yukon eine Kanutour zu machen. Von dort aus wollten wir noch weiter hoch, bis nach Alaska, was für mich schon immer ein Kindheitstraum war.

Das nördlichste Bundesland der USA, Monate voller Dunkelheit und Kälte, Schnee, Gletscher und Sommermonate in kargen Landschaften, mit lauen Frühlingstemperaturen.

In der Nähe des Städtchen Banffs fanden wir einen kleinen Campingplatz und erkundeten 5 Tage lang den Nationalpark. Besonders der Lake Louise ist der Wahnsinn, allerdings in der Sommersaison zu der wir da waren auch ziemlich von Touristen überlaufen, was ich teilweise ein bisschen nervig fand.

Tausende Menschen tummeln sich an den Aussichtsplattformen der Seen, auf den Wanderwegen und auch auf den Straßen geht es teilweise nur in der Kolonne voran.

Nichts destotrotz ist die Landschaft beeindruckend und das langsame Fahren hat ja auch Vorteile. Auf dem Weg nach Jasper fuhren wir an einem bekannten Gletschergebiet vorbei und sahen Bären und Hirsche am Wegesrand. Die Aussicht (und die anderen Autos) zwangen uns immer wieder zu Fotostopps, sodass wir für die eigentlich nur vierstündige Strecke fast den ganzen Tag brauchten.

Auch von Jasper aus nahmen wir uns Zeit und wanderten durch den Nationalpark. Er gefiel mir noch besser als der Banff National Park, da er irgendwie ruhiger war, unberührter, rauer und weniger Touristen unterwegs waren.

Yukon und Alaska: Einfach nur Wow

In Yukon begaben wir uns dann auf die eher klassische Route von Whitehorse nach Dawson City und machten eine Kanutour auf dem Yukon-River. Über Campingplätze hatten wir uns vorher schon ein wenig im Internet informiert und hatten so in Kombination mit einem Reiseführer keine Probleme, immer einen Abstellplatz für unseren kleinen Flitzer zu finden. Die Kosten der Camping Plätze waren ganz unterschiedlich, betrugen aber selten mehr als 50 bis 70 C$ die Nacht in touristischen Gebieten.

Wir genossen das Leben in unserem kleinen Bus, kochten uns abends mit unserem Campingkocher unser Essen, saßen am Lagerfeuer und hörten den Tiergeräuschen zu.

In Alaska lautete unser Ziel Anchorage, was die Hauptstadt des Bundesstaates und die am dichtesten besiedelte Stadt Alaskas ist. Auf dem Weg dorthin kamen wir durch karge Landschaften, menschenleere Gegenden, sahen nur vereinzelt Farmen oder Autos und waren völlig begeistert von der tiefen Ruhe, die Alaska ausstrahlt. Von Anchorage aus gönnten wir uns was und machten eine Wasserflugzeugtour über die Gletscher – ein unvergessliches Erlebnis.

Zu guter Letzt noch nach Vancouver Island

Da sich unsere Zeit so langsam dem Ende neigte und wir auch noch Vancouver Island erkunden wollten bevor der Rückflug ging, sind wir auf dem Rückweg von Alaska Richtung Vancouver dann durchgefahren und haben nur zum Übernachten angehalten. Zurück in Vancouver haben wir uns nach einer Nacht in der Stadt ein Ticket für die Autofähre nach Vancouver Island besorgt und übergesetzt.

Zehn Tage auf dieser wunderschönen Insel erwarteten uns und wir fuhren von Nanaimo über Victoria und Ucluelet nach Tofino und dann einmal quer durch wieder zurück. Besonders begeistert hat uns der Pacific Rim Nationalpark an der Westküste von Vancouver Island. Dort kann man durch Regenwald wandern, entdeckt tolle Strände, Vogelarten und anspruchsvolle Wanderwege.

Mit Sicherheit kann man auch mehrere Wochen auf Vancouver Island verbringen, den Norden der Insel hatten wir jetzt zum Beispiel gar nicht gesehen. Da uns aber der Rückflug im Nacken saß und wir nochmal einen Abend in Vancouver einen draufmachen wollten (was am besten auf Granville Island geht), fuhren wir mit der Fähre zurück. Um den Verkauf unseres Campers hatten wir uns unterwegs schon gekümmert und hatten dann auch tatsächlich keine Probleme. Wir trafen uns in Vancouver mit zwei frisch eingetroffenen Work and Travellern und übergaben ihnen das Gefährt mit fast keinem Wertverlust.

Auf dem Heimflug ließ ich die letzten vier Monate nochmal Revue passieren und sowohl die Zeit alleine als auch mit meinem Kumpel Philipp war für mich ein absolutes Highlight. Zuhause erwartete mich nach meinem Studiumsabschluss nun die Jobsuche und ich habe mich gefreut, nochmal Kraft zu tanken und unzählige Eindrücke mitzunehmen.

I love Kanada

Work and Travel in Kanada ist eine einzigartige Erfahrung und auch wenn ich nur den Westen des Landes bereist habe kann ich schon sagen, dass es sich alleine dafür lohnt. Die Menschen, die Natur und die Kultur haben mich auch auf den zweiten Eindruck komplett überzeugt und es wird sicher nicht mein letzter Besuch in diesem riesigen Land gewesen sein. Ich freue mich jetzt schon auf meine Rückkehr dorthin und kann jedem nur raten der noch zögert: Buch deinen Flug und ab nach Kanada!

Man findet sich dort super zurecht, als Alleinreisender ist das Land absolut sicher, die Menschen sind offen, freundlich und hilfsbereit und die Eingewöhnungszeit ist recht kurz, da die Kultur sehr westlich beziehungsweise europäisch geprägt ist. Ich habe Kanada in mein Herz geschlossen und hoffe, dass es euch ebenso ergeht wenn ihr da seid. Vielleicht sehen wir uns dort, wer weiß…

Euer Sebastian

You may also like...