So war mein Kanada-Aufenthalt in British Columbia

 Von Denise

Work and Travel Kanada

Dass ich Work and Travel machen wollte war mir schon länger klar. Was das Land angeht, war ich aber nicht wirklich festgelegt. Nach einigen Recherchen entschied ich mich für Kanada, da irgendwie alle nach Australien gehen, ich in den USA schon öfters war und mich Neuseeland nicht so gereizt hat. Kanada schien mir noch ein wenig das versteckte Paradies für Work and Traveller zu sein und dieses riesige Land, das mit toller Natur und lebenswerten Städten lockt sah auf Fotos immer nach einem großen Abenteuer aus.

Aufgrund des Übergangs vom Studium in einen festen Job, dessen Startdatum ich schon kannte, blieben mir leider nur sechs Wochen, die ich in Kanada verbringen konnte. Ich entschied mich dafür, zwei Wochen auf einer Farm arbeiten zu wollen und die restlichen vier Wochen rumzureisen. Noch aus Deutschland registrierte ich mich bei WWOF, dem internationalen Netzwerk von freiwilligen Arbeitern auf ökologischen Farmen.

Ohne Work and Travel-Visum nach Kanada

Ich bewarb mich bei Farmen in Yukon, Nova Scotia und British Columbia und wurde letztlich in British Columbia angenommen. In einem Monat sollte es losgehen und ich war sehr aufgeregt. Ich hab mich gegen ein Work and Travel-Visum entschieden, da ich es für mein Vorhaben in Kanada gar nicht brauchte. Da ich nur zwei Wochen auf der Farm arbeiten wollte und dafür kein Geld erhalten sollte, sparte ich mir den Aufwand und die Kosten, die mit dem Visum verbunden sind.

Von einer Freundin hatte ich gehört, dass man für den Visumsantrag ein polizeiliches Führungszeugnis, ein Konto mit einem gewissen Cashflow und noch viele weitere Dinge vorlegen musste. Da ich in Kanada kein Geld verdienen wollte, konnte ich einfach als Tourist einreisen, was mit einem Reisepass problemlos möglich ist.

Work and Travel Vancouver

Endlich ging es los

Im Okanagan Valley, in der Nähe von Kelowna sollte meine Arbeitsstätte sein, weshalb ich mich für einen Flug nach Vancouver entschied. Da ich nur vier Wochen zum Reisen hatte entschied ich mich von vorneherein nur im westlichen Teil Kanadas zu bleiben. Zu weit sind die Distanzen und auf eine viertägige Busfahrt bis Toronto hatte ich in Anbetracht meiner relativ knappen Zeit wenig Lust.

Für 550 Euro buchte ich das absolute Flugschnäppchen nach Vancouver und packte kurze Zeit später voller Vorfreude meinen Rucksack. Noch einmal rauskommen bevor der Ernst des Lebens los geht, sagte ich mir und konnte den Abreisetag nicht erwarten. Ende Mai war es dann so weit und ich setzte mich in die Maschine von Frankfurt über Chicago nach Vancouver. Lange 18 Stunden später war ich dann endlich in Kanada angekommen und mein Traum konnte losgehen.

In Vancouver habe ich mich sofort verliebt

Für Vancouver hatte ich zunächst nur zwei Tage eingeplant, da ich ab dann auf der Farm erwartet wurde. Ich wusste, dass es eine Obstfarm sein sollte, mehr aber auch nicht. In Vancouver schaute ich mir die klassischen Sehenswürdigkeiten an wie den Hafen, Granville Island, die alte Dampfuhr in Gastown und den Stanley Park. Ich gönnte mir sogar den Eintritt zur Aussichtsplattform auf dem Harbour Center und war überwältigt vom Ausblick. Man sieht das Meer, die Hochhäuser, den Stanley Park und im Hintergrund wird alles von den im Mai noch leicht schneebedeckten Gipfeln überragt.

Das Wetter während meines Vancouver-Aufenthaltes war super. Angenehme 22 Grad, die Sonne schien beide Tage und ich kriegte immer mehr ein Gefühl dafür, weshalb diese Stadt so oft als eine der lebenswertesten der Welt bezeichnet wird. Überall auf Bänken und Wiesen saßen und lagen die Einheimischen, genossen die warmen Sonnenstrahlen, es gab viele Straßenmusiker, im Hafen liegen die Boote, die Berge locken mit toller Natur und an den Stadtstränden trauten sich schon die ersten Mutigen etwas luftiger bekleidet in die Sonne.

Gemütliche Unterkunft im Wohnwagen-Trailer

Ich war völlig hin und weg von diesem Ort und nahm mir vor, nach meiner Zeit auf der Farm noch ein paar Tage mehr in Vancouver zu verbringen. Mit dem Bus fuhr ich von Vancouver nach Kelowna, wo ich vom Farmbesitzer abgeholt werden sollte. Das hatten wir so im Vorfeld am Telefon vereinbart und ich freute mich auf zwei spannende Wochen in der Natur. Statt dem Farmbesitzer holte mich seine Frau ab, was aber kein Problem war, da sie direkt super nett war. Wir fuhren etwa eine halbe Stunde lang bis zu ihrer Obstfarm und dort angekommen freute ich mich über den netten Empfang, blühende Obstbäume wohin das Auge sah und den Seeblick hinter dem Haus auf den Okanagan Lake.

Meine Unterkunft für die nächsten zwei Wochen sollte ein Wohnwagen-Trailer sein, den ich mir mit einer anderen WWOFERIN teilen sollte. Jinju, so hieß sie, kam ursprünglich aus Südkorea, lebte mit ihrer Familie aber jetzt in London. Wir verstanden uns auf Anhieb, sodass ich mich auch gut damit arrangieren konnte, den relativ beengten Trailer mit ihr zu teilen. Darin befand sich ein Etagenbett, ein winziger Tisch zum ausklappen und gerade noch so viel Platz, dass ich meinen Rucksack in eine Ecke stellen konnte – das war’s. Zum Duschen und Essen konnten wir das Haus der Familie mitbenutzen, was nur ein paar Meter von unserem Trailer entfernt lag.

Farmarbeit ist anstrengend…aber toll!

Ich wurde in meine Arbeit eingewiesen, diesmal durch den Farmer höchstpersönlich und er zeigte mir, was ich die nächsten zwei Wochen tun sollte. Die Zeit auf der Farm verging wie im Flug. Ich jätete Unkraut, pflückte diverse Obstsorten, kümmerte mich um das Gemüse, pflückte Erdbeeren, Himbeeren und Tomaten, beschnitt Hecken und Bäume und wässerte die Pflanzen im Gewächshaus.

strawberry farm

Genau diese Arbeit war es, die ich wollte und ich habe sie bekommen! Zwar war es teilweise sehr anstrengend, da besonders im Gewächshaus die Temperaturen sehr hoch waren und ich einfach den ganzen Tag in Bewegung war. Die Erfahrung war aber toll, die Arbeit machte Spaß und ich genoss die Zeit.

Zu zweit macht’s doch viel mehr Spaß

Mit Jinju verstand ich mich so gut, dass wir entschieden, gemeinsam abzureisen und den Westen Kanadas gemeinsam zu erkunden. Wir fuhren mit dem Bus nach Vancouver und verbrachten dort drei coole Tage zusammen, mit Erkundungen, Party und ganz viel Relaxen, was nach den zwei Wochen Farmarbeit auch nötig war.

Ursprünglich hatte ich geplant, alles mit Bussen zu machen, da ich ja nun aber nicht mehr alleine war, haben wir beschlossen ein Auto zu mieten und für 3 Wochen Vancouver Island und die Rocky Mountains zu erkunden. Gesagt, getan! Mit dem Auto ging es zunächst auf die Fähre Richtung Vancouver Island, wo wir bis Tofino fuhren und von dort aus im Pacific Rim Nationalpark wandern gingen und am Strand zwei Tage die Seele baumeln ließen. Von dort aus führte uns der Weg noch nach Victoria, was uns beiden auch super gut gefallen hat, obwohl wir das Auto jetzt nur für die Stadt gar nicht gebraucht hätten.

Atemberaubende Nationalparks in den Rocky Mountains

rocky-mountains canada

Das Auto mit auf die Fähre zu nehmen war relativ teuer (C$ 50 Aufpreis pro Strecke), aber um uns auf Vancouver Island fortzubewegen war es auf jeden Fall praktisch. Zurück in Vancouver traten wir unseren Weg an Richtung Banff und Lake Louise, der uns wieder über das Okanagan Valley führte.

Wir übernachteten im Yoho National Park und im Banff National Park jeweils bei Privatleuten, die wir über Air Bnb gefunden hatten und fuhren dann noch weiter nach Jasper.

Allein der Weg dahin war so ein Highlight, dass es uns fast die Sprache verschlagen hat und wir statt vier Stunden einen ganzen Tag dafür gebraucht haben. Jasper war ebenfalls super, wir wanderten viel, sahen Bären und viele Vögel und fuhren dann von dort aus noch nach Clearwater und nach Whistler.

Bye Bye, Kanada

Leider näherte sich unsere gemeinsame Zeit in Kanada damit auch schon dem Ende. Ich musste zurück nach Deutschland und Jinju wollte noch an die Ostküste reisen und dort nochmal nach einem Job schauen.

Nach zwei letzten Tagen im Vancouver, was mittlerweile zu meiner Homebase geworden war, musste ich mich schweren Herzens von Jinju und von Kanada verabschieden und wieder in den Flieger nach Deutschland steigen. Es war eine unvergessliche Zeit und eine tolle Erfahrung und ich bin froh es gemacht zu haben. Kanada ist super!

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