Work and Travel in Kanada: Meine Zeit in Kanada und was ich gelernt habe

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Über mich: Ich heiße Katharina, bin 29 Jahre alt, komme aus Berlin und wohne seit 18 Monate in Kanada. Nach meinem Anglistik-Studium war ich das erste Mal zehn Monate in Kanada als Work and Traveller, was schon lange mein Traum war, den ich mir nach ein paar Jahren des Sparens endlich erfüllen konnte. Ich bin reiseverrückt, weltoffen, neugierig, ein bisschen verplant und hoffe, dass dir meine Erfahrungen, die ich in meiner Work and Travel-Zeit gesammelt habe, weiterhelfen.

Während des Studiums habe ich viel gekellnert und nebenbei gejobbt, um mir meinen Traum von Kanada zu erfüllen. Ich wollte genügend Geld gespart haben, um vor Ort nicht nur arbeiten zu müssen, sondern auch viel Zeit zum Reisen zu haben. Zehn Monate wollte ich in Kanada bleiben und hatte sechs Monate arbeiten und vier Monate reisen eingeplant. Sehen wollte ich alles!

Große Pläne – schaffe ich das alles umzusetzen?

Sowohl den Westen mit Vancouver, Vancouver Island und den Rocky Mountains als auch Toronto, Montreal und Quebec mit seiner schönen Altstadt im Osten. Zudem wollte ich etwas machen, was nicht alle machen und mit dem Auto die Provinzen Manitoba und Saskatchewan erkunden. Auch Yukon hatte ich noch eingeplant zum Kanufahren und Wandern. Die Krönung meiner Tour sollte ein Besuch der Hudson Bay inklusive Eisbärensafari sein.

Viele Pläne also, die es zu verwirklichen galt. Ich wusste von Anfang an, dass ich ein Auto brauchen würde, um mir alles anzusehen, was ich vorhatte, wusste aber noch nicht direkt, wie ich dieses Vorhaben am besten umsetzen sollte. Ich ließ diese Punkt offen und entschied mich erst einmal nach Toronto zu fliegen und dort mit dem weiterzumachen, worin ich schon während des Studiums viel Erfahrung gesammelt hatte: Kellnern!

Endlich ging es los

Nachdem mit der Beantragung meines Visums zum Glück alles reibungslos geklappt hat, saß ich im März dann im Flieger Richtung Toronto und konnte es nicht erwarten, anzukommen. Ich hatte Wetterglück bei Ankunft und es waren immerhin 7 Grad und Sonnenschein. Mein Hostel hatte ich mir von Deutschland aus noch gebucht und so konnte das Abenteuer Kanada direkt losgehen.

Einen Job hatte ich schnell gefunden und zwar, indem ich einfach zwei Tage lang alle Bars in der Innenstadt abgeklappert hatte, an denen ich vorbeigelaufen bin. Ich hab einfach überall nach einem freien Job gefragt, meinen Lebenslauf hinterlassen, den ich vorher 40 Mal kopiert hatte und dann gewartet. Noch am gleichen Tag des zweiten Tages erhielt ich einen Anruf und konnte zwei Tage später in einem netten kleinen Café anfangen zu kellnern.

Die Gastronomie als super Einstieg ins kanadische Arbeitsleben

Ich weiß nicht, ob du Kellner-Erfahrung hast, kann dir zu einem Job in der Gastronomie für den Anfang aber nur raten. Man kommt schnell in Kontakt mit Leuten, das Team im Café war super und mit den Kollegen habe ich mich auf Anhieb gut verstanden, das Trinkgeld war gut und zur Eingewöhnung war dieser Job für mich genau richtig.

Toronto hat mir als Stadt super gefallen, ein Wochenende hab ich mit Kollegen mal eine Tour zu den Niagara-Fällen gemacht und ansonsten hab ich viel gefeiert, die Stadt erkundet und den nahenden Frühling herbeigesehnt. Ich hatte mir vorgenommen, meine Reise in Etappen zu machen und immer im Wechsel zu arbeiten und wieder zu reisen und entschied mich nach zwei Monaten Toronto dazu, den Osten zu erkunden.

Nova Scotia war mir dann doch zu kalt

Mit dem Bus fuhr ich erst nach Montreal und dann nach Quebec (ein kleiner Stopp in Ottawa war auch noch drin) und schaute mir diese wunderschönen Städte im französischsprachigen Teil des Landes an. Besonders Quebec mit seiner Altstadt, in der man sich so fühlt als wäre man in Europa, hat mir sehr gut gefallen.

Ich ließ mich treiben, spazierte viel und genoss die Freizeit. In den Hostels in denen ich schlief lernte ich immer schnell nette Leute aus aller Welt kennen mit denen ich die Tage und Abende verbrachte, sodass keine Langeweile aufkam. Ich hatte mir vorher überlegt, ob ich noch nach Nova Scotia fahren wollte und diesen östlichen Zipfel Kanadas noch erkunden wollte, entschied mich aber dagegen, da dort noch Schnee liegen sollte und ich mehr Lust auf Frühling hatte.

Ein bisschen Luxus muss auch mal sein

Noch von zu Hause aus hatte ich mich im WWOF-Netzwerk registriert, dem internationalen Netzwerk für freiwillige Arbeiter auf ökologischen Farmen. Von Toronto aus hatte ich bereits mehrere Farmen  in British Columbia angeschrieben und hatte Glück – in der Nähe von Coombs auf Vancouver Island erhielt ich eine Zusage und vereinbarte, dass ich vier Wochen bleiben würde. Von Quebec aus gönnte ich mir den Luxus eines Inlandsfluges nach Vancouver, da ich keine Lust auf eine fast fünftägige Busfahrt hatte und erreichte Vancouver so innerhalb eines Tages.

In Vancouver angekommen hatte ich noch drei Tage Zeit bevor meine Fähre nach Nanaimo gehen sollte, wo mich die Frau, der die Farm bei Coombs gehörte, abholen wollte. Vancouver, das sich mittlerweile in voller Frühlingsblüte befand, begeisterte mich auf Anhieb und ich nahm mir vor, dort noch mehr Zeit im Anschluss an meinen Farmstay verbringen zu wollen.

Tolle Farm, tolle Leute, tolle Arbeit

Mein Farmstay in Vancouver Island war eine super Erfahrung. Die Farm war auf Kräuter und Gemüseanbau spezialisiert und ich half dabei verschiedene Gemüsesorten zu ziehen, Tiere zu füttern (Hühner und ein paar Schafe) und einen neuen Zaun um das Grundstück zu bauen. Die Zeit war super und die vier Wochen vergingen wie im Flug.

An den freien Tagen hatte ich ein wenig Zeit Vancouver Island zu erkunden und verbrachte nach den vier Wochen noch weitere zwei Wochen auf der Insel. Victoria und Tofino gefielen mir besonders gut, der Pacific Rim Nationalpark mit seinem Regenwald war ein Erlebnis und ich schaffte es sogar bis ganz in den Norden, wo es viele Lachse und süße kleine Örtchen gibt.

Pläne verwerfen, das Leben genießen und treiben lassen

Zurück in Vancouver entschied ich mich, mir einen weiteren Job in der Gastronomie zu suchen und fing in einer Bar an. So langsam kehrte der Sommer in Kanada ein und auf den Straßen und in den Parks war viel Leben, alle saßen draußen auf den Wiesen und nutzten die Sonnenstrahlen, es gab viel Straßenmusik, viele kleinere Veranstaltung und ich war total begeistert von dieser Stadt, von der aus man die Berge sieht, das Meer vor der Tür hat und Lebensqualität pur genießen kann. Ich blieb viel länger als ich eigentlich wollte – drei Monate – und hatte die Zeit meines Lebens.

Meine ursprünglichen Pläne hatte ich schon längst verworfen, was auch mein Tipp an dich ist: Mach dir nicht zu viele Pläne, es kommt eh anders als du denkst. Genieß die Zeit, lass dich treiben, und mach einfach worauf du Lust hast und was sich gerade gut anfühlt. Ich hatte Vancouver zum Beispiel vorher nicht wirklich auf dem Schirm, dachte das sei eine von vielen weiteren Städten in Kanada, wurde aber vom totalen Gegenteil überzeugt. Für mich war es DIE Stadt in Kanada, in der ich mir mittlerweile sogar mal vorstellen kann längere Zeit zu leben.

Es kommt immer anders als man denkt

Manitoba und Saskatchewan hatte ich schon früh auf die nächste Reise verschoben und auch Yukon und die Hudson Bay kamen in meinem Plan nun nicht mehr vor. Die Eisbärensafaris sind unglaublich teuer, man muss sich weit im Vorfeld anmelden (was ich natürlich verplant habe) und ich hatte gar nicht die Ausrüstung dabei, um bei -30 Grad überwintern zu können. Man kann sich zwar alles leihen, aber es erschien mir als sehr aufwendig und mit viel Planung verbunden, auf die ich gerade keinen Lust mehr hatte. So entschied ich mich, meine letzte Zeit noch in den Rocky Mountains zu verbringen und ergatterte einen Job im Skigebiet Whistler, der mir ebenfalls super gefiel.

Am Ende meiner Zeit in Kanada hatte ich nicht ansatzweise das gesehen, was ich mir vorher alles vorgenommen hatte, aber dafür habe ich gelebt. Ich habe besonders Vancouver sehr intensiv wahrgenommen und auch Toronto fand ich wirklich super. Das Leben auf der Farm in Vancouver Island war ebenfalls eine tolle Erfahrung und ich würde nichts anders machen, als ich es gemacht habe.

Viel gearbeitet – viel gespart

Dadurch, dass ich viel gearbeitet habe und in meinen beiden Gastro-Job ganz gut verdient habe, war meine Work and Travel-Zeit in Kanada auch deutlich günstiger als ich dachte. Ich musste nur knapp 2.500 Euro meiner Reserven ausgeben und bin mit gut gefülltem Konto in Berlin wieder angekommen.

Anfangs dachte ich, dass ich gar nicht so viel arbeiten und lieber mehr reisen möchte – es hat mir aber solchen Spaß gemacht, die Leute waren so nett und ich habe mich tatsächlich viel „einheimischer“ gefühlt als wenn ich nur auf der Durchreise gewesen wäre, sodass es gar nicht schlimm war, dass ich zusammengerechnet doch fast acht Monate mit Arbeiten verbracht habe (wenn auch nie mehr als 30 Stunden die Woche).

Die Kombination aus Arbeiten und Reisen lässt einen ein Land erst so richtig kennenlernen

Für mich war es die beste Gelegenheit, Land und Leute kennenzulernen und Kanada zu genießen. Besonders Vancouver hat mich umgehauen und ich kann dir nur raten, diese Stadt aufzusuchen.

Farmstays sind ebenfalls eine tolle Sachen und das Leben bei Einheimischen in der Natur ist schön – wenn man Glück hat. Ich hab auch ein paar Horror-Storys gehört, bin aber froh davon verschont geblieben zu sein.

Auch Rückschläge gelassen nehmen

Natürlich ist nicht alles gut gegangen in den zehn Monaten. Mir wurde zum Beispiel mal mein Portemonnaie geklaut und ich musste meine Kreditkarte sperren lassen und in Deutschland eine neue beantragen und mir solange Geld von Arbeitskollegen leihen – ist aber alles glimpflich verlaufen und ich habe gelernt, dass die Welt von so etwas nicht untergeht. Nimm die Zeit in Kanada als einzigartige Erfahrung. Lass dich drauf ein, mach nicht zu viele Pläne, schau wo es dir gefällt und geh immer der Nase nach –dann kannst du nichts falsch machen. Letztendlich hat mich dieser Erfahrung auch wieder nach Kanada gebracht, und ich bin sehr glücklich hier.